Arbeitskreises Amyloidose der Universität Heidelberg

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Mesajgönderen Birsel tarih Çrş Eki 04, 2006 6:45 pm

Arbeitskreises Amyloidose der Universität Heidelberg



AA-Amyloidose

Bei dieser Amyloidoseform wird ein Teil des Serum - Amyloid - A - Eiweißes in die Gefäßwand eingebaut. Dieses Protein wird als sogenanntes Akut-Phase-Protein bei Entzündungen rasch in großer Menge synthetisiert. Deshalb wird dieses Protein in der Klinik als Messparameter für die Schwere einer Entzündungen benutzt.

Ursache einer AA-Amyloidose
Die weltweit häufigste Systemamyloidose ist die Amyloidose A. Das beteiligte Amyloid entsteht aus einer Umformung des bei entzündlichen Erkrankungen im Überschuss vorliegenden Akute-Phase-Proteins Serumamyloid A. Daher wird diese Form der Amyloidose vor allem bei chronisch entzündlichen Systemerkrankungen gesehen.
Die A-Amyloidose tritt bei folgenden Erkrankungen auf:
bei chronischen Entzündungen:
• chronisch-rheumatische Erkrankungen:
• rheumatische Arthritis im Kindes- und Erwachsenenalter
• M. Bechterew
• Kollagenosen
• Arthritis psoriatrica
• chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
• chronische bakterielle Infekte: Mukoviszidose, Bronchiektasen, Osteomyelitis, TBC, Lepra, Lues
• bei Tumorerkrankungen: insbesondere M. Hodgkin
• genetisch: beim familiären Mittelmeerfieber, Muckle-Wells-Syndrom, Periodisches Fieber
In 10 % der Fälle kann die ursächliche Grunderkrankung der AA-Amyloidose nicht identifiziert werden. Schätzungsweise 1-5% der Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen sind von einer AA-Amyloidose betroffen.

Symptome einer AA-Amyloidose
Befallen sind häufig die Niere (Proteinurie, Niereninsuffizienz und Nierenversagen), Leber und Milz (Hepatosplenomegalie), und immer der Magen-Darm-Trakt (Magenulzera, Malabsorption, Bewegungsstörungen, Pseudoobstruktion, bakterielle Kontamination, Darminfarkte). Selten treten Nebenniereninsuffizienz und Hypertonie auf. Eine kardiale Beteiligung ist selten und führt in der Regel nicht zur Herzinsuffizienz. Eine Makroglossie(Zungenvergrößerung) gehört nicht zum Bild der AA-Amyloidose (Falk et al, 1997).

Für die Diagnostik ist der Ausschluss einer AL und ATTR Amyloidose wichtig.
Frühdiagnose, Verhütung der Entzündungen und strikte krankheitsspezifische antientzündliche Therapie sind die entscheidenden Grundlagen der Diagnostik und Therapie der AA-Amyloidose

FPRIVATEUntersuchungen bei einer AA-Amyloidose
Die Diagnose der Amyloidose erfolgt durch den Nachweis von Amyloid in feingeweblichen Schnittpräparaten. Der Nachweis von Amyloid erfordert daher immer eine Biopsie. Typischerweise wird eine Probeentnahme aus dem Rektum (Enddarm) oder aus dem Magen oder Dünndarm durchgeführt. Auch andere Regionen können biopsiert werden, wie etwa Niere, Leber, Haut, Mundschleimhaut, Knochenmark und andere Gewebe. Unter strenger Beachtung der Kontraindikationen wie Blutungsneigung und mögliche Kapselspannung innerer Organe, infolge Amyloideinlagerungen mit drohender Ruptur, wird man sich für die Biopsie-Region mit der niedrigsten Komplikationsgefahr entscheiden.
Therapie bei einer AA-Amyloidose
Nur die frühe und dauerhafte Unterdrückung der Entzündung kann bleibende, nicht behebbare Organschäden verhindern.
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa führt die effektive Therapie mit antientzündlichen Medikamenten am ehesten zum Abfall des SAA und zum Rückgang der Amyloidablagerungen.
Bei amyloidbedingtem Nierenversagen hat sich die Nierentransplantation bewährt. Bei Weiterbestehen der entzündlichen Grundkrankheit kann die transplantierte Niere allerdings nach Jahren erneut AA-Amyloid aufweisen (Linke et al, 1998).
Das familiäre Mittelmeerfieber (FMF) ist durch rezidivierende Fieberschübe mit begleitender Polyserositis und dem Risiko der Entwicklung einer AA-Amyloidose charakterisiert. FMF betrifft überwiegend Menschen, die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammen. Die Diagnose kann bei Patienten mit entsprechenden Symptomen, Familienanamnese und ethnischer Zugehörigkeit oft klinisch und/oder auf der Grundlage etablierter Diagnosekriterien (Livneh et al, 1997) gestellt werden. Darüber hinaus kommt der molekulargenetischen Diagnostik ein hoher Stellenwert zu: So kann insbesondere bei Kindern und bei atypischer Symptomatik die Verdachtsdiagnose FMF bestätigt werden. FMF ist eine autosomal rezessiv vererbte Erkrankung. Ein Dispositions-Gen wurde auf Chromosom 16 lokalisiert. Das 10 Exons umfassende Gen wurde ‚Mediterranean Fever Gene' (MEFV) genannt. Mehr als 40 mit FMF assoziierte MEFV-Mutationen wurden beschrieben, hierbei findet sich die Mehrheit der Mutationen in Exon 10.
Mit Colchicin steht eine effektive Therapie zur Verfügung. Die Colchicintherapie muss lebenslang durchgeführt werden Bei mehr als 90 % der Patienten kommt es hierunter zur Anfallsfreiheit oder zu einer Senkung der Frequenz und der Intensität der Anfälle. Die Colchicinprophylaxe verhindert darüber hinaus die Entwicklung einer Amyloidose, die wesentlich die Prognose der Patienten bestimmt. Vor der Einführung von Colchicin, trat bei 60 % der Erkrankten, die über 40 Jahre alt waren eine Amyloidose auf; die die Haupttodesursache dieser Patienten darstellte. (Gafni et al, 1968;Drenth & van der Meer, 2001;Timmann et al, 2004).
Neue Therapieoptionen, die wohl in ihrer Effektivität dem Colchicin vergleichbar sind, ergeben sich aus der vermuteten Pathogenese anderer genetisch bedingter Fiebersyndrome, des Tumornekrosefaktor-Rezeptor-assoziierten periodischen Syndroms ((TRAPS), AA-Amyloidose in 25%) und des Hyper-IgD-Syndrom ((HIDS), AA-Amyloidose in unter 2%). Für TRAPS und für HIDS wurde, bisher in kleinen Patientenkollektiven, die Wirksamkeit einer Behandlung mit dem TNFa-Antagonisten Etanercept gezeigt (Merlini & Bellotti, 2003).
Fibrillex TM, die erste Substanz, die die Fibrillenbildung verhindern und zur Auflösung von Fibrillenablagerungen führen soll, ist in klinischen Erprobung und zeigt Ansprechen in Situationen, in denen die ursächliche Entzündung/Infektion nicht kontrolliert werden kann (Sipe & Seldin, 2004).
Die juvenile chronische Arthritis und systemische Gefäßentzündung sind in Deutschland heute die häufigsten Ursachen einer AA-Amyloidose im Kindesalter. Hier sind insbesondere Frühdiagnose und -Therapie entscheidend. Als Verlaufsparameter für das Ansprechen der Therapie dienen SAA- oder CRP-Konzentrationsbestimmungen.



AL-Leichtkettenamyloidose
Die systemische Leichtketten- (AL-) Amyloidose ist eine seltene und ernste Bluterkrankung der Plasmazellen. Diese befinden sich auch beim Gesunden im Knochenmark und sind normalerweise für die Produktion der Immunglobuline (wichtige Eiweiße für die Bekämpfung von Infektionen) verantwortlich. Die kranken Plasmazellen produzieren in großen Mengen ein bestimmtes Eiweiß, die sogenannten Leichtketten (Anteile der Immunglobuline), die sich außerhalb der Zellen als unlösliche Fibrillen (Fäden) zur amorphen Amyloidsubstanz zusammenlagern.
Das Amyloid kann in vielen verschiedenen Organen abgelagert werden. Am häufigsten sind Herz und Nieren betroffen. Weitere wichtige Organe sind der Magen-Darm-Trakt, die Leber und die Milz. Es kann auch zum Befall des peripheren, sogenannten autonomen oder senso-motorischen Nervensystems kommen.



Ursache einer AL-Leichtkettenamyloidose
Ein Baustein der spezifischen Immunabwehr, ein sogenanntes Immunglobulin, bildet die Grundlage des Amyloids. Dieses Protein wird produziert von genetisch veränderten Plasmazellen, die Immunglobulinfragmente (Leichtketten) im Überschuss bilden. Diese werden vom Körper nicht abgebaut, sondern als Amyloid in den Organen abgelagert. Die Amyloidose kann als eigenständige Erkrankung auftreten und ist zunächst als nicht bösartig anzusehen. Bei einigen Patienten entsteht sie jedoch als Folge bösartiger Bluterkrankungen, z.B. beim Multiples Myelom oder bösartigen Lymphknotenerkrankungen).


Symptome einer AL-Leichtkettenamyloidose
Die Symptome der AL Amyloidose entstehen in Abhängigkeit vom befallenen Organ. Im Folgenden sollen einige, für das jeweilige Organ typische, Symptome genannt werden:
Herz: Luftnot, Herzrhythmusstörungen, körperliche Schwäche, Wasseransammlung im Rippenfell („Pleuraerguß) oder in den Beinen („Ödeme“), nächtliches Urinlassen („Nykturie“).
Niere: vermehrte Proteinausscheidung, schäumender Urin, Wassereinlagerung im Gewebe, niedriger Blutdruck.Luftnot
Magen-Darm-Trakt: Durchfall oder Verstopfung („ Obstipation“), Gewichtsverlust, Erbrechen
Leber, Milz: Oberbauchbeschwerden durch Vergrößerung von Leber und Milz, Wasseransammlung im Bauchraum („Ascites“).
Nervensystem: Taubheitsgefühl in den Füßen, Kribbeln, z.T. stechende Schmerzen, Karpaltunnelsyndrom, niedriger Blutdruck, Schwindel
Weichteile: vergrößerte Zunge, Lymphknotenschwellungen, Hauteinblutungen, insbesondere um die Augen, Gerinnungsstörung mit verstärkter Blutungsneigung, Muskelschmerzen, -schwäche


Diagnostik einer AL-Leichtkettenamyloidose
Die Diagnose der Amyloidose wird nach Untersuchung des Biopsiematerials aus dem betroffenen Organ gestellt: zunächst mittels der feingeweblichen Untersuchung einschließlich der Kongorotfärbung und zur weiteren Spezifizierung mittels der sogennanten Immunhistochemie.
Der Nachweis der zugrundeliegenden Plasmazell-Erkrankung gelingt in ca. 90% der Patienten durch Immunelektrophorese von Blut oder Urin sowie Messung der freien Leichtketten im Serum.
Diagnostik der Bluterkrankung:
Proteinelektrophorese und Immunfixation in Blut und Urin zum Nachweis des monoklonalen Proteins (der Leichtketten), Messung der freien Leichtketten im Serum
Knochenmarkuntersuchung: Nachweis der Plasmazellvermehrung mit zytogenetischen Zusatzuntersuchungen

Knochenmarkuntersuchung: Nachweis der Plasmazellvermehrung mit zytogenetischen Zusatzuntersuchungen

Organbezogene Diagnostik nach der körperlichen Untersuchung:
Herz: Röntgen der Lunge, Herzultraschall, 24-Stunden-EKG, Lungenfunktionsuntersuchung, Blutuntersuchungen (TNT, BNP)
Niere: Untersuchung des 24-Stunden-Urins, Ultraschall der Nieren, Blutuntersuchungen zur Überprüfung der Nierenfunktion
Magen-Darm-Kanal: Magen-oder Darmspiegelung, Blutuntersuchungen
Leber, Milz: Ultraschall des Bauches, Blutuntersuchungen
Nervensystem: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, Kipptisch-Untersuchung
Weichteile: Messung bestimmter Gerinnungsfaktoren im Blut, Ableitung der Muskelströme




Behandlung AL-Leichtkettenamyloidose
Im Vordergrund steht die Therapie der zugrundeliegenden Plasmazell-Erkrankung. Es erfolgt eine systemische Chemotherapie, meist in Kombination mit Cortison, in Form von Infusionen oder Tabletten. Die Intensität der empfohlenen Chemotherapie ist abhängig von folgenden Faktoren: Alter des Patienten, Allgemeinzustand, körperliche Belastbarkeit, Anzahl der befallenen Organe, Funktionseinschränkungen von Herz oder Niere, Höhe des Blutdruckes. Alle Chemotherapien haben je nach Dosis-Intensität auch Nebenwirkungen auf die gesunde Blutbildung, verschiedene Organsysteme wie Nieren und Magen-Darm-Trakt sowie auf das Allgemeinbefinden.
Es existiert bisher keine wirksame Methode zur Amyloidmobilisierung bzw. zum Herauslösen des Amyloids aus dem Gewebe.
Zukünftig werden auch neue Medikamente im Rahmen von Studien zum Einsatz kommen. Unter der Rubrik „Studien“ finden Sie die derzeit aktiven Studien in unserem Zentrum.
Die unsterstützende Behandlung der Organmanifestationen ist ein wesentlicher Baustein:
Nierenamyloidose: Therapie des nephrotischen Syndroms, eiweissreduzierte Ernährung, medikamentöse Behandlung der Fettstoffwechselstörung, im Einzelfall Hämodialyse
Herzamyloidose: Therapie der Herzschwäche und der Herzrhythmusstörungen, ggf. Implantation eines Defibrillators, im Einzelfall Herztransplantation
Magen-Darm-Amyloidose: Ernährungsberatung, medikamentöse Behandlung des Durchfalls
Befall des Nervensystems: Schmerztherapie, Operation des Karpaltunnels
Studien:
1. Prospektive Phase - II Studie zur Evaluation der Effektivität und der Toxizität der Induktionstherapie mit Dexamethason vor der Stammzellmobilisation mit CAD und anschließender Hochdosistherapie mit Melphalan mit autologer Transplantation
peripherer hämatopoetischer Progenitorzellen bei Patienten mit systemischer Leichtketten- (AL-) Amyloidose (Ansprechpartner: Dr. J. Dengler, Dr. S. Schönland; Tel: 06221-56-8009)
2. Phase I/II-Studie zum Einsatz von Bortezomib bei behandlungsbedürftigen Patienten mit AL-Amyloidose (Ansprechpartner: Dr. U. Hegenbart; Dr. S. Schönland, Tel: 06221-568009)


Hereditäre Amyloidosen
Aus verschiedenen körpereigenen Proteinen können durch einen Gendefekt veränderte Proteine entstehen, die dann zu Amyloidablagerungen führen. Hierzu gehören die seltenen Variationen von APO-AI Lipoprotein, Fibrinogen, Gelsolin u.a. Das häufigste Ausgangsprotein ist das Transthyretin, ein relativ kleines Eiweißmolekül. Es dient dem Transport von Schilddrüsenhormon und Vitamin A und wird nahezu ausschließlich in der Leber gebildet. In der Familie der Proteine gehört es in die Gruppe der sogenannten Präalbumine.
Eine Veränderung am Transthyretin tritt bei der "Greisenamyloidose" auf, einer Erkrankung in sehr hohem Lebensalter, sie soll hier nicht Gegenstand unserer Betrachtungen sein. Die in jüngeren Jahren auftretende TTR-Amyloidose ist angeboren, sie entsteht, weil sich das Transthyretinmolekül des Erkrankten an einer Stelle seiner aus 127 Bausteinen (Aminosäuren) zusammengesetzten Struktur von dem normalen Transthyretin unterscheidet. Diese Krankheit wird autosomal dominant vererbt. Durch den Gendefekt wird eine differente Aminosäure statt des vorgesehenen Aminosäurebausteins in die Kette eingebaut. Bis heute sind über 100 solcher Genveränderungen beschrieben worden, wobei sowohl die Aminosäure als auch der Platz im Molekül variieren können. Nur etwa 60 von ihnen führen aber zu der Erkrankung, die entsteht, wenn das fehlgebildete Protein im Gewebe als Amyloid abgelagert wird.
Durch diese Ablagerungen wird die Funktion des betroffenen Organs gestört und behindert. Zu Beginn der Krankheit ist meistens ein Organ bevorzugt, entsprechend stehen dann diese Organstörungen im Vordergrund der Beschwerden.
Durch die Einlagerung von Amyloidfibrillen im Herzmuskel wird die Kontraktion - das Zusammenziehen - des Muskels behindert. Lagert sich das Amyloid um die Nervenzelle herum, wird deren Ernährung gestört und damit die koordinierte Funktion, im Darm führt die Ablagerung zu erschwerter Nährstoffaufnahme, weil der Weg der gelösten Teilchen größer ist.
Je nach Art des Defekts in dem Transthyretinmolekül entstehen Erkrankungen, die eine Bevorzugung einzelner Organe beinhalten.Die häufigste Form der Amyloidose vom TTR-Typ ist die Familiäre Amyloid - Polyneuropathie vom Portugiesischen - Typ (FAP I)
Hier wird in dem Molekül an der Position 30 der vorgesehene Baustein Valin durch Methionin ersetzt.

Symptome einer hereditären Amyloidose
Die FAP I (familiäre Amyloidpolyneuropathie MET/30) zeichnet sich durch aufsteigende Empfindungsstörungen mit Befall zunächst der unteren Extremitäten aus, die später zu Muskelschwäche führt. Die ersten Krankheitsanzeichen sind oft Temperaturempfindungsstörungen, sodass Verbrennungen oder Erfrierungen auftreten, ohne das der Patient entsprechend Schmerzen hat. Meistens erst nach einiger Zeit treten Störungen im autonomen Nervensystem auf, die dann Funktionseinschränkungen nach sich ziehen. Hier sind besonders Herzrhythmusstörungen, Blutdruckregulationsstörungen, Schweißsekretionsveränderungen und beim Mann Erektionsstörungen zu nennen. Veränderte Darmbewegungen führen ebenso wie Amyloidablagerungen in der Darmschleimhaut zu verminderter Nährstoffaufnahme und deshalb Gewichtsverlust. Dabei kann der Patient sowohl unter Durchfall wie auch unter Verstopfung leiden.
Ist das Herz direkt befallen, entstehen sowohl Rhythmusstörungen, weil das Reizleitungssystem in seiner Funktion gestört ist, als auch Pumpstörungen.
Hier führen die Ablagerungen des Amyloids zu einer Behinderung der Herzmuskelkontraktion und , was oft noch schwerer wiegt, zu der Unmöglichkeit der Erschlaffung und damit ausreichenden Füllung des Herzens. Damit nimmt das transportierbare Blutvolumen ab, der Körper wird mit weniger Blut versorgt und wird damit in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
Das Amyloidverteilungsmuster variiert offenbar bei den einzelnen Krankheitsformen zumindest zu Beginn der Erkrankung. Bei der portugiesischen FAP scheint anfangs das Reizleitungssystem im Vordergrund der Ablagerung zu stehen, während der unmittelbare Herzmuskelbefall erst später auftritt. Bei anderen hereditären Amyloidosen kann das Herz mit entsprechenden Symptomen auch primär befallen werden. Ferner gibt es auch eine Variante, in der neben Ablagerungen am Nerven eine frühzeitige Beteiligung des Glaskörpers des Auges beobachtet wird. Die Patienten leiden an Sehstörungen.
Wann die Krankheit erste Symptome zeigt, ist von Variante zu Variante verschieden, aber auch in der häufigsten Form, der portugiesischen Amyloidpolyneuropathie, gibt es früh und spät beginnende Krankheitsverläufe. Merkmalsträger ist man von Geburt an, weshalb die Ablagerungen erst in einem gewissen Lebensalter entstehen, wissen wir noch nicht.

Untersuchungen bei einer hereditären Amyloidose
Um eine Amyloidose zu diagnostizieren, muss zunächst an diese seltene Erkrankung gedacht werden. Dazu ist eine genaue Erhebung der Krankengeschichte und des Untersuchungsbefundes des Patienten notwendig.
Besteht der Verdacht, so wird über eine Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop untersucht, ob Amyloid vorliegt.
Bei der Probeentnahme sind der Biopsieort und die Größe des entnommenen Partikels sehr wichtig, hier können Fehler leicht zu Fehleinschätzungen führen, indem man die Krankheit nicht erkennt. Typischerweise lagert sich das Amyloid um kleine Blutgefäße oder Nerven, diese finden sich aber erst in etwas tieferen Schichten der Schleimhaut, der sogenannten Submucosa. Greift man nun mit der oft sehr kleinen Biopsiezange nicht tief genug, so kann man das eigentlich betroffene Gewebe gar nicht untersuchen. Auch wenn die Frage, ob eine Amyloidose vorliegt, nicht an den Pathologen gerichtet wird, kann unter Umständen die Diagnostik der Erkrankung scheitern, weil keine spezielle Färbung vorgenommen wird.
Nachdem die Untersuchung Amyloidablagerungen ergeben hat, muss der Typ des Amyloids genau bestimmt werden. Hierzu sind wieder spezielle Färbetechniken notwendig.
Diese Sicherung muss erfolgen, weil bei den unterschiedlichen Amyloidose-Formen sehr eingreifende Behandlungsmethoden angewendet werden müssen.

Bei dem Nachweis einer hereditären Amyloidose muss eine Klassifizierung des Gendefektes erfolgen. Das heißt, der Defekt auf dem Transthyretinmolekül wird lokalisiert und definiert. Je nach geänderter Aminosäure an einem besonderen Platz des Ausgangsmoleküls treten anfangs unterschiedliche Organmanifestationen auf. Das bedeutet, das jeweils andere Organe (wie Herz, Darm oder Nervensystem) als besonders befallen im Vordergrund der Beschwerden stehen. Auch das Alter des Erkrankungsbeginns variiert.


Behandlung bei einer hereditären Amyloidose
Die Behandlung besteht heute in einer Lebertransplantation. Dabei wird das Organ, das das falsche Protein bildet, durch eine gesunde Leber ersetzt. Damit wird der Störfaktor nicht mehr gebildet und die Ablagerungen beendet. Ist die Krankheit aber schon zu weit fortgeschritten und liegen verschiedene Organstörungen vor, kann die Krankheit nicht mehr beherrscht werden. Entscheidend für den Erfolg der Lebertransplantation ist, dass dieser Organtausch frühzeitig erfolgt.
Der richtige Zeitpunkt ist bei der heutigen Situation der Organspenden, bei der man oft lange auf ein Organ warten muss, ein großes Problem.
Ein noch nicht endgültig geklärter Sachverhalt findet sich, wenn im Vordergrund der Amyloidose ein Herzbefall mit Behinderung in der Pumpfunktion steht. Hier muss das betroffene Organ das Herz und die ursächliche Leber ausgetauscht werden.
Parallel wird bei jedem Betroffenen eine genetische Beratung erfolgen, um Fragen der Familienplanung zu besprechen oder bisher noch nicht erkannte Merkmalsträger zu entdecken, und diese frühzeitig in eine Überwachungsprogramm aufzunehmen.

Diagnostik
Die Diagnostik beginnt mit dem Wissen, dass es diese seltene Erkrankung gibt. Hinweise können neben den klinischen Daten und der Vorgeschichte des Kranken auch Untersuchungsverfahren wie Kernspin (MRT) und Ultraschall liefern.
Die Sicherung erfolgt dann stets aus einer Gewebeuntersuchung. Zunächst findet man bei einer bestimmten Färbung (Kongorot) eine charakteristische Rotfärbung, die dann durch Veränderung des Lichtstrahles (Polarisation) grün leuchtet. Das ist für jedes Amyloid charakteristisch.
Nun muss man noch eine Differenzierung des Amyloids vornehmen, in dem man durch besondere Bearbeitung des amyloidhaltigen Gewebeschnittes das Ausgangsprotein herausfindet. Das gelingt, indem man Immunreaktionen mit speziellen, gegen die jeweiligen Proteine gerichteten Antikörpern auslöst.
Ist die Typisierung erfolgt, muss das Ausmaß des Organbefalls untersucht werden, um das Stadium der Erkrankung zu definieren. Dies wird von den einzelnen Fachdisziplinen mit deren gängigen Methoden erfolgen.


Histologie - Feingewebliche Untersuchung nach einer Probeentnahme (Organbiopsie) einschließlich Kongorotfärbung und Immunhistologie zur Bestimmung des Amyloidtyps Proteinelektrophorese und Immunfixation im Blut und Urin zum Nachweis des monoklonalen Proteins (der Leichtketten)




Kontakt
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Sollten Sie Fragen haben, wenn Sie mehr Informationen möchten, oder wenn Sie mit uns in Kontakt treten möchten, helfen wir Ihnen gerne weiter.
Email: reinhard.singer@med.uni-heidelberg.de
Arbeitsgemeinschaft für Amyloidosekrankheiten an der universität Heidelberg
Chirurgische Universitätsklinik
Oberarzt Dr. R. Singer
Im Neuenheimer Feld 120
D-69120 Heidelberg
Deutschland
Telefon: ++49 (0)700 726 27 327
Fax: ++49 (0)6221 / 561708




Amyloidose Unterstützungs-Netzwerk
www.amyloidosis.org

Deutsche Gesellschaft für Amyoid-Krankheiten e.V.
www.amyloid.de


Peter Waldmann Amyloidose Stiftung
www.amyloidose.ch

Transplantations-Zentrum Heidelberg
www.transplantation-center.com

Ernährungshinweise auf Vorschlag von Prof. Altland
www.med.uni-giessen




Literatur
1. Drenth JP, van der Meer JW (2001) Hereditary periodic fever. N Engl J Med, 345: 1748-1757
2. Falk RH, Comenzo RL, Skinner M (1997) The systemic amyloidoses. N Engl J Med, 337: 898-909
3. Gafni J, Ravid M, Sohar E (1968) The role of amyloidosis in familial mediterranean fever. A population study. Isr J Med Sci, 4: 995-999
4. Linke RP, Altland K, Ernst J, Gerhard L, Michels H, Saeger W, Willig F (1998) Praktische Hinweise zur Diagnose und Therapie generalisierter Amyloidosen. Deutsches Ärzteblatt, 95: A2626-A2636
5. Livneh A, Langevitz P, Zemer D, Zaks N, Kees S, Lidar T, Migdal A, Padeh S, Pras M (1997) Criteria for the diagnosis of familial Mediterranean fever. Arthritis Rheum, 40: 1879-1885
6. Merlini G, Bellotti V (2003) Molecular mechanisms of amyloidosis. N Engl J Med, 349: 583-596
7. Sipe JD, Seldin DC (2004) Xth International Symposium on Amyloid and Amyloidosis April 18-22, 2004 (selected highlights) Tours, Loire Valley, France. Amyloid, 11: 268-272
8. Timmann C, Schumacher J, Lamprecht P, Sudeck H, Horstmann R (2004) Genetisch bedingte Fiebersyndrome. Deutsches Ärzteblatt, 101: A3262-A3269

References
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8. Timmann C, Schumacher J, Lamprecht P, Sudeck H, Horstmann R (2004) Genetisch bedingte Fiebersyndrome. Deutsches Ärzteblatt, 101: A3262-A3269
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